Stadtverwaltung Meckenheim auch zukünftig nicht an geschlechtersensible Sprache gebunden

Antrag unserer Fraktion wird vom Rat abgelehnt

Der Rat der Stadt Meckenheim hat den Antrag unserer Fraktion, dass die Stadtverwaltung zukünftig in all ihren Textprodukten geschlechtersensible Sprache verwenden und bereits vorhandene Textprodukte sukzessive entsprechend anpassen solle, mehrheitlich abgelehnt.

„Wir sind enttäuscht, dass unser wichtiger Antrag vom Rat abgelehnt wurde“, so unsere Co-Fraktionsvorsitzende Susanne Chur-Lahl. „Wenn die Stadt Betreuer für die Ferienfreizeit oder eine Küchenfee für eine KiTa sucht, spiegelt dies sprachlich nicht die Offenheit gegenüber allen Menschen in unserer Gesellschaft wider, die eigentlich auch in der Verwaltung gelebt wird. Schade, dass der Stadtrat unseren Ansatz, dies zukünftig zu ändern, nicht unterstützt hat.“

Bei unserem Antrag haben wir bewusst auf einen konkreten Vorschlag verzichtet, wie mehr Sensibilität gegenüber allen Geschlechtern sprachlich abgebildet werden soll. „Wir möchten niemandem eine bestimmte Art des Genderns vorschreiben, sondern das Bewusstsein für einen sensibleren Umgang mit Sprache schaffen. Dies kann auch in vollkommenem Einklang mit den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung sowie weiteren Empfehlungen geschehen“, führt Tobias Pötzsch, der innerhalb unserer Fraktion für den Antrag verantwortlich war, aus.

Umso irritierender ist es aus unserer Sicht, dass andere Fraktionen genau diese Empfehlungen als Grund für die Ablehnung des Antrags anführten. Auch eine Beschränkung auf die binären Zuschreibungen, wie im abgelehnten Änderungsantrag der SPD-Fraktion gefordert, sei zwar sprachlich geläufiger, würde aber nicht dem Anspruch, alle Menschen in unserer Gesellschaft zu inkludieren, gerecht, so Pötzsch weiter.

Besonders enttäuschend ist es für uns, dass in der Debatte das Anliegen von einzelnen Ratsmitgliedern ins Lächerliche gezogen und mit teils menschenverachtenden Bemerkungen abgetan wurde. Auch die Tatsache, dass neben uns lediglich die SPD-Fraktion die Notwendigkeit sah, die Stadt per Ratsbeschluss dazu zu verpflichten, dass zukünftig alle ihre Formulare die Möglichkeit des Geschlechtseintrags „divers“ enthalten sollen, ist unverständlich. „Die Tatsache, dass es nur eine sehr geringe Minderheit gibt, die nicht im binären Geschlechtersystem zu verorten ist, als Ablehnungsgrund anzugeben, ist nicht nachvollziehbar“, stellt unser Co-Fraktionsvorsitzender Tobias Mobers fest. Selbst wenn dies nur eine Person in Meckenheim beträfe, so wäre ein Großteil der Ratsmitglieder ihrem Anspruch eine Vertretung ALLER in Meckenheim lebenden Menschen zu sein, mit dieser Entscheidung nicht gerecht geworden.

Trotz des abgelehnten Antrags bleibt es aber weiterhin unser erklärtes Ziel, auf sensiblen Sprachgebrauch zu achten und darauf die Aufmerksamkeit zu lenken, um sich auch so für eine bunte und tolerante Gesellschaft stark zu machen.

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