Jugendzentrum: “Klarstellung” unserer Bürgermeisterin

1.) Wer sich mit dem Jugendzentrum auskennt, weiß schon lange um die schwierige Klientel der offenen Tür. Zum Teil ist die offene Jugendarbeit ja gerade für diese schwierigen Jugendlichen da. “Normale” Jugendliche organisieren sich ihre Freizeit im Wesentlichen selbst und brauchen dafür keine Sozialarbeiter.
Die Tatsache, dass im oder vor dem Jugendzentrum sich die “Szene” trifft, ist also sicher kein Grund für die Schließung des OT-Bereichs, es ist eher eine Herausforderung, mit eben diesen Jugendlichen beharrlich den Kontakt zu suchen.

2.) Wenn Frau Dr. Kempen eine Weiterentwicklung des Angebots will, das diesen Jugendlichen zugute kommt, dann muss sie den OT-Bereich offen halten und dort die weitere Planung fördern. Schließt sie ihn, sind genau diese Jugendlichen nicht mehr da – die Soziale Arbeit für die “Szene” läuft dann ins Leere. Kempens Politik marginalisiert diese Jugendlichen, mit denen Gespräche und Aktionen dringend notwendig wären. Wenn Kempen sich Jugendarbeit in Meckenheim als Jugend- und Kinderbildungsarbeit vorstellt, dann hat sie diese Szene-Jugendlichen offensichtlich längst aufgegeben und plant ein Angebot ausschließlich für unsere allseits beliebte Bildungsbürgerschicht.

3.) Aus dem Gesagten ergibt sich für mich, dass Kempen nicht den Schatten einer Ahnung hat von den aktuellen Herausforderungen moderner Jugendarbeit. Das muss sie auch nicht, wenn sie denn ihre MitarbeiterInnen im Jugendamt und die Vertreter im Jugendhilfeausschuss arbeiten ließe. Ihr Versuch, ungeliebte Jugendliche aus dem Blickfeld zu vertreiben, ist sicher kein Glanzstück moderner Jugendarbeit und wird sich vermutlich noch bitter rächen.

4.) Ihre Argumentation, sie habe eine Entscheidung nach dem Ordnungsbehördengesetz getroffen, für die nur sie allein zuständig ist, ist -schlicht gesagt- Blödsinn.:
a) Der Vergleich mit der Entscheidung zur Obdachlosenunterkunft hinkt. Hier ist der zuständige Ausschuss eben nicht mit den Rechten ausgestattet, den ein Jugendhilfeausschuss hat.
b) In ihrer wortreichen Erklärung findet sich nirgendwo ein Hinweis, dass sich die Zustände in oder um das Jugendzentrum in letzter Zeit verschlimmert hätten. Es mag dahin gestellt bleiben, wie dramatisch solche Zustände sein müssten, um einen Alleingang der Bürgermeisterin zu rechtfertigen: In diesem Fall wird eine Verschlechterung der Lage nicht einmal behauptet.
c) Im letzten Jugendhilfeausschuss legte die Verwaltung des Jugendamtes einen Bericht zum aktuellen Stand der Jugendhilfeplanung vor. Irgendwelche Schwierigkeiten um oder im Jugendzentrum sind dort nicht angeführt, und schon gar nicht die Notwendigkeit schnellen Handelns. Kempen hat also nicht einmal versucht, auf eine schnelle Änderung mit legalen Mitteln hinzuarbeiten.
d) Besonders deutlich wird dies an Kempens Hinweis, die Mitarbeiter des Jugendzentrums wären teilweise über 50 Jahre alt. Dieses Alter ist sicherlich ein Problem, kommt aber noch weniger plötzlich als das Auslaufen eines Zeitvertrags im Kindergarten (der letztens ja auch verschlafen wurde). Es bleibt das Geheimnis der Verwaltung, warum sie die Gründung des Jugendamtes nicht dazu genutzt hat, diese älteren MitarbeiterInnen auf Bürojobs zu versetzen. Die intime Kenntnis der Meckenheimer Jugendstrukturen wäre gerade zum Arbeitsbeginn des Sozialen Dienstes des Jugendamtes sicherlich hilfreich gewesen.

5.) Kempens wortreiche Klage über all die notwendigen Personalverschiebungen, die angeblich zu der verspäteten Information aller Beteiligten geführt hat, ist lächerlich und aufschlussreich zugleich: Für die Information und Beteiligung des Jugendhilfeausschusses in der Frage einer Schließung des OT-Bereichs wäre die Verwaltung des Jugendamtes zuständig gewesen. Dort hat es aber – vor Schließung des OT-Bereichs – keine nennenswerten Personalverschiebungen gegeben. Die rechtzeitige Beteiligung des Ausschusses kann also nicht aufgrund personal-organisatorischer Schwierigkeiten versäumt worden sein. Daraus ergibt sich die dringende Vermutung, dass Herr Jung entweder an der Entscheidung zur Schließung des OT-Bereichs nicht beteiligt war und diese Entscheidung von Kempen extrem kurzfristig und ohne Rücksprache mit den Fachleuten im eigenen Haus erfolgte oder aber Jung von Kempen einen Maulkorb verpasst bekam und sie selbst es nicht für nötig hielt, die Rats- und Ausschussvertreter so furchtbar früh zu informieren, geschweige denn zu beteiligen.

6.) Die von Kempen angekündigte Zukunftswerkstatt nach Jung ist eine Methode, die nur dann funktionieren kann, wenn der Ausgang offen ist. Eine Schwäche dieser Methode ist es, dass sie bei schwieriger Klientel wie viele andere Methoden oft nur beschränkt einsetzbar ist. Dies liegt daran, dass eine Zukunftswerkstatt auch bei allen gegenteiligen Bemühungen relativ wortlastig ist und Zeit braucht. Gerade die betroffenen Jugendlichen haben aber Schwierigkeiten mit Durchhaltevermögen und in der sprachlichen Ausdrucksweise. Es wäre schon extrem schwierig, sie in einen solchen Prozess einzubinden, wenn sie die alleinigen Adressaten einer solchen Zukunftswerkstatt wären. Die Einbindung z.B. der “Türsteher-Szene” vor dem Jugendzentrum in die anderen Besucher-Grüppchen hat bislang noch nicht mal zum gemeinsamen Colatrinken gereicht. Es gibt nicht die geringste Hoffnung, dass sich diese Jugendlichen auf eine gemeinsame Zukunftswerkstatt einlassen könnten, selbst wenn sie überhaupt noch ereichbar wären – und das, obwohl gerade diese Jugendlichen eine OT nötig haben, die ihren Vorstellungen entgegen kommt.
Die Methode Zukunftswerkstatt ist darüber hinaus von vorneherein schierer Blödsinn, wenn Kempen schon wesentliche Vorgaben zum Jugendzentrum “verfügt” hat. Unter solchen Vorgaben können die Jugendlichen gerade mal über die Wandfarbe diskutieren und werden sich sicherlich sehr über diese demokratische Spielwiese freuen.

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