Jugendzentrum: Landrat stellt sich gegen Kempen

Mit Schreiben vom 11.09.07 an Frau Dr. Kempen bewertet der Landrat die von ihr verfügte Schließung des OT-Bereichs des Jugendzentrums. Die Bitte um Stellungnahme vom 28.08.07 hatte Kempen nicht beantwortet. Im Schreiben führt der Landrat aus:

„Bei der von Ihnen veranlassten (nach Ihren Angaben vorläufigen) Schließung der offenen Tür als Teil des JuZe handelt es sich um eine Einschränkung einer öffentlichen Einrichtung. Eine solche Entscheidung gehört nicht zu den Geschäften der laufenden Verwaltung und hätte ohne Vorlage eines entsprechenden Ratsbeschlusses nicht umgesetzt werden dürfen.

Die Schließung der Offenen Tür war somit rechtswidrig. Ich bitte Sie, die Maßnahme rückgängig zu machen“

Jugendzentrum: „Klarstellung“ unserer Bürgermeisterin

1.) Wer sich mit dem Jugendzentrum auskennt, weiß schon lange um die schwierige Klientel der offenen Tür. Zum Teil ist die offene Jugendarbeit ja gerade für diese schwierigen Jugendlichen da. „Normale“ Jugendliche organisieren sich ihre Freizeit im Wesentlichen selbst und brauchen dafür keine Sozialarbeiter.
Die Tatsache, dass im oder vor dem Jugendzentrum sich die „Szene“ trifft, ist also sicher kein Grund für die Schließung des OT-Bereichs, es ist eher eine Herausforderung, mit eben diesen Jugendlichen beharrlich den Kontakt zu suchen.

2.) Wenn Frau Dr. Kempen eine Weiterentwicklung des Angebots will, das diesen Jugendlichen zugute kommt, dann muss sie den OT-Bereich offen halten und dort die weitere Planung fördern. Schließt sie ihn, sind genau diese Jugendlichen nicht mehr da – die Soziale Arbeit für die „Szene“ läuft dann ins Leere. Kempens Politik marginalisiert diese Jugendlichen, mit denen Gespräche und Aktionen dringend notwendig wären. Wenn Kempen sich Jugendarbeit in Meckenheim als Jugend- und Kinderbildungsarbeit vorstellt, dann hat sie diese Szene-Jugendlichen offensichtlich längst aufgegeben und plant ein Angebot ausschließlich für unsere allseits beliebte Bildungsbürgerschicht.

3.) Aus dem Gesagten ergibt sich für mich, dass Kempen nicht den Schatten einer Ahnung hat von den aktuellen Herausforderungen moderner Jugendarbeit. Das muss sie auch nicht, wenn sie denn ihre MitarbeiterInnen im Jugendamt und die Vertreter im Jugendhilfeausschuss arbeiten ließe. Ihr Versuch, ungeliebte Jugendliche aus dem Blickfeld zu vertreiben, ist sicher kein Glanzstück moderner Jugendarbeit und wird sich vermutlich noch bitter rächen.

4.) Ihre Argumentation, sie habe eine Entscheidung nach dem Ordnungsbehördengesetz getroffen, für die nur sie allein zuständig ist, ist -schlicht gesagt- Blödsinn.:
a) Der Vergleich mit der Entscheidung zur Obdachlosenunterkunft hinkt. Hier ist der zuständige Ausschuss eben nicht mit den Rechten ausgestattet, den ein Jugendhilfeausschuss hat.
b) In ihrer wortreichen Erklärung findet sich nirgendwo ein Hinweis, dass sich die Zustände in oder um das Jugendzentrum in letzter Zeit verschlimmert hätten. Es mag dahin gestellt bleiben, wie dramatisch solche Zustände sein müssten, um einen Alleingang der Bürgermeisterin zu rechtfertigen: In diesem Fall wird eine Verschlechterung der Lage nicht einmal behauptet.
c) Im letzten Jugendhilfeausschuss legte die Verwaltung des Jugendamtes einen Bericht zum aktuellen Stand der Jugendhilfeplanung vor. Irgendwelche Schwierigkeiten um oder im Jugendzentrum sind dort nicht angeführt, und schon gar nicht die Notwendigkeit schnellen Handelns. Kempen hat also nicht einmal versucht, auf eine schnelle Änderung mit legalen Mitteln hinzuarbeiten.
d) Besonders deutlich wird dies an Kempens Hinweis, die Mitarbeiter des Jugendzentrums wären teilweise über 50 Jahre alt. Dieses Alter ist sicherlich ein Problem, kommt aber noch weniger plötzlich als das Auslaufen eines Zeitvertrags im Kindergarten (der letztens ja auch verschlafen wurde). Es bleibt das Geheimnis der Verwaltung, warum sie die Gründung des Jugendamtes nicht dazu genutzt hat, diese älteren MitarbeiterInnen auf Bürojobs zu versetzen. Die intime Kenntnis der Meckenheimer Jugendstrukturen wäre gerade zum Arbeitsbeginn des Sozialen Dienstes des Jugendamtes sicherlich hilfreich gewesen.

5.) Kempens wortreiche Klage über all die notwendigen Personalverschiebungen, die angeblich zu der verspäteten Information aller Beteiligten geführt hat, ist lächerlich und aufschlussreich zugleich: Für die Information und Beteiligung des Jugendhilfeausschusses in der Frage einer Schließung des OT-Bereichs wäre die Verwaltung des Jugendamtes zuständig gewesen. Dort hat es aber – vor Schließung des OT-Bereichs – keine nennenswerten Personalverschiebungen gegeben. Die rechtzeitige Beteiligung des Ausschusses kann also nicht aufgrund personal-organisatorischer Schwierigkeiten versäumt worden sein. Daraus ergibt sich die dringende Vermutung, dass Herr Jung entweder an der Entscheidung zur Schließung des OT-Bereichs nicht beteiligt war und diese Entscheidung von Kempen extrem kurzfristig und ohne Rücksprache mit den Fachleuten im eigenen Haus erfolgte oder aber Jung von Kempen einen Maulkorb verpasst bekam und sie selbst es nicht für nötig hielt, die Rats- und Ausschussvertreter so furchtbar früh zu informieren, geschweige denn zu beteiligen.

6.) Die von Kempen angekündigte Zukunftswerkstatt nach Jung ist eine Methode, die nur dann funktionieren kann, wenn der Ausgang offen ist. Eine Schwäche dieser Methode ist es, dass sie bei schwieriger Klientel wie viele andere Methoden oft nur beschränkt einsetzbar ist. Dies liegt daran, dass eine Zukunftswerkstatt auch bei allen gegenteiligen Bemühungen relativ wortlastig ist und Zeit braucht. Gerade die betroffenen Jugendlichen haben aber Schwierigkeiten mit Durchhaltevermögen und in der sprachlichen Ausdrucksweise. Es wäre schon extrem schwierig, sie in einen solchen Prozess einzubinden, wenn sie die alleinigen Adressaten einer solchen Zukunftswerkstatt wären. Die Einbindung z.B. der „Türsteher-Szene“ vor dem Jugendzentrum in die anderen Besucher-Grüppchen hat bislang noch nicht mal zum gemeinsamen Colatrinken gereicht. Es gibt nicht die geringste Hoffnung, dass sich diese Jugendlichen auf eine gemeinsame Zukunftswerkstatt einlassen könnten, selbst wenn sie überhaupt noch ereichbar wären – und das, obwohl gerade diese Jugendlichen eine OT nötig haben, die ihren Vorstellungen entgegen kommt.
Die Methode Zukunftswerkstatt ist darüber hinaus von vorneherein schierer Blödsinn, wenn Kempen schon wesentliche Vorgaben zum Jugendzentrum „verfügt“ hat. Unter solchen Vorgaben können die Jugendlichen gerade mal über die Wandfarbe diskutieren und werden sich sicherlich sehr über diese demokratische Spielwiese freuen.

Jugendhilfeausschuss, Sondersitzung 16.10.2007, 19:00 Uhr

Weitere Tagesordnungspunkte stehen noch nicht fest.

Ort: Im Ruhrfeld 16 (Meckenheim-Süd), Raum S 5

Da der Raum S 5 nur etwa 20 Besuchern Platz bietet, haben die Grünen angeregt, die Sitzung in den Ratssaal zu verlegen. Das ist im selben Gebäude.

Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen von interessierten Jugendlichen und Erwachsenen!

Übrigens: Der Ärger über die derzeitige Politik ist nicht das schlechteste Motiv, in einer Partei mitzumachen. Wir (und sicher auch die Kollegen aus den anderen Fraktionen) suchen immer Menschen, die die Zustände in Meckenheim verbessern oder wenigstens besser verstehen wollen.

Kempens Umwelt-Tamtam

Lüftelberg. Nachdem Bürgermeisterin Kempen vor Monaten publikumswirksam auf eine angebliche Dioxin-Belastung bei Lüftelberg aufmerksam machte, wollten die Ratsfraktionen und die Presse natürlich Näheres wissen. Kempens selbst gesetzte Termine lies sie ohne weitere Erklärungen verstreichen, Anfragen der Fraktionen beantwortete sie nicht. Die Meckenheimer Parteien forderten daraufhin Kempen in einer gemeinsamen Erklärung auf, entweder Beweise vorzulegen oder sich bei den Bewohnern zu entschuldigen.

Dazu äußert sie sich in einer Pressemitteilung vom 6. September 07:

„Zu der heute von den Vorsitzenden der im Rat der Stadt Meckenheim vertretenen Parteien an die Medien gerichtete Aufforderung, ich solle unverzüglich meine Beweise über gesundheitsgefährdende Stoffe im Kiesabbaugebiet Rheinbach-Flerzheim offenlegen, nehme ich auf Anfrage wie folgt Stellung:

1. Ich habe meine Informationen über umweltgefährdende Stoffe an zuständige Dienststellen, hier den Umweltminister des Landes NRW sowie die Staatsanwaltschaft Bonn, weitergeleitet…“ (Quelle: www.meckenheim.de)

Schön, Frau Dr. Kempen! Und was ist mit den Lüftelberger Einwohnern und den Ratsmitgliedern? Dürfen die nicht wissen, was Sie wissen? Oder wissen Sie gar nix, und haben Sie nur mal so auf die Pauke gehauen? Wie sehr muss man eigentlich seine eigenen „Untertanen“ verachten, um solche Spielchen zu spielen?

Dabei gibt es durchaus Grund, sich Sorgen zu machen: Die vielen alten Kiesgruben um Lüftelberg wurden im letzten Jahrhundert lange als Müllkippen genutzt. Lange Zeit waren solche Gruben öffentlich zugänglich, und jeder konnte dort weitgehend ungestört abladen, was ihm (nicht mehr) gefiel. Umweltvorschriften gab es kaum, Unrechtsbewusstsein noch weniger. Und so lagern in solchen alten, nicht abgedichteten Kippen oft Dinge, die dort nach unserem heutigen Verständnis absolut nicht hingehören: Fässer mit Pflanzenschutzmitteln, Kanister mit Altöl, Autobatterien usw. Es wäre sicherlich eine gute Idee, Zeitzeugen gezielt nach solchen Hinterlassenschaften zu befragen, Proben zu analysieren und evtl. Missstände zu beseitigen. Aber dafür braucht man wohl eine Verwaltungsspitze, die sich nicht nur durch Effekthascherei auszeichnet.

Pressemitteilung zum so genannten „Gutachten“ von RA Dr. Bracher (Kanzlei …. Bonn, veröffentlicht im Amtsblatt der Stadt Meckenheim und im Internet

Wir (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Meckenheim) und namentlich ich (Anita Orti von Havranek) sind in dem Schreiben der Rechtsanwaltskanzlei Redeker und Partner erwähnt, mit dem Vorwurf der Bürgermeisterin, ich hätte die Verschwiegenheitspflicht verletzt und eine E-Mail an die Presse weitergeleitet. Das entspricht nicht der Wahrheit und ist unrichtig dargestellt. Die Vorwürfe sind völlig unsinnig. Der renommierte Rechtswissenschaftler Herr Professor Dr. Ossenbühl hat für die UWG eine Analyse zum oben genannten „Gutachten“ verfasst. Die Kernaussage lautet: Die Antworten, die der Stadt Meckenheim in der Rechtsauskunft gegeben werden, sind durchweg unzutreffend.  Die zur Begründung herangezogenen Gerichtsentscheidungen betreffen andere hier nicht in Rede stehende Sachverhalte und sind deshalb für die gestellten Fragen nicht aussagekräftig. Wir wollen nicht die Seiten der Zeitungen mit dem Abdruck des Schreibens von Professor Ossenbühl füllen, sondern stellen den gesamten Text auf unserer Seite im Internet (www.gruene-meckenheim.de) interessierten Bürgern zu Verfügung. Der Text hängt auch in unserem Schaukasten am Neuen Markt aus. Wir danken Herrn Professor Ossenbühl und der UWG für die Erlaubnis, das Schreiben verbreiten zu dürfen.

 

Den kompletten Text können Sie einsehen, indem sie auf diesen Satz klicken. (Es ist ein PDF-Dokument mit etwa 200 KB)

Wer Professor Dr. Ossenbühl ist können Sie erfahren, wenn Sie auf  diesen Satz klicken! (Wikipedia)  

Eltern gegen Samstagsschule

Umfrage: Familien vehement gegen Samstags-Unterricht an Schulen

Plan der NRW-Regierung stößt auch in der Gesamtbevölkerung des Landes auf klare Ablehnung – Köln (ots) – Köln – Der Plan der nordrhein-westfälischen Landesregierung, den Samstags-Unterricht an Schulen flächendeckend wieder zu ermöglichen, stößt im Land auf massive Ablehnung speziell der Familien mit schulpflichtigen Kindern.
Nach einer Blitzumfrage des Meinungsforschungs-Instituts Omniquest im Auftrag des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Donnerstag-Ausgabe) lehnen fast drei Viertel (72,5 Prozent) der Befragten mit schulpflichtigen Kindern die Sechs-Tage-Woche ab, nur ein knappes Viertel (22,5) dieser
Gruppe stimmt dem Vorhaben zu. Auch in der Gesamtbevölkerung ist das Votum eindeutig negativ: 57,5 Prozent der Befragten sagten, sie seien gegen den Samstagsunterricht. Nur 31,6 Prozent sprachen sich dafür aus. Omniquest befragte am Mittwoch 500 NRW-Bürger ab 14 Jahren.
Das benachbarte Rheinland-Pfalz setzte sich ausdrücklich von der NRW-Linie ab. „Der Samstag ist und bleibt unterrichtsfrei“, sagte derMainzer Kultusstaatssekretär Michael Ebling (SPD) der Zeitung. „Wir bauen ganz massiv und mit Erfolg das Ganztagsschul-angebot in allen Schularten aus, wobei das Land – im Gegensatz zu Nordrhein-Westfalen – die dafür nötigen Lehrerstellen und den sonstigen zusätzlichen Personalbedarf zu 100 Prozent bezahlt.“ Aus der Kultusministerkonferenz verlautete, kein anderes Bundesland wolle dem Beispiel aus NRW folgen.
 

 

Auch die Geschäftsordnung kann spannend sein…

Zur Ratsitzung am 17.10.2007 stellen die Grünen folgenden Antrag:

§ 26, Absatz 6 Satz 1 der Geschäftsordnung wird wie folgt geändert:

Die Worte: „ dürfen Tonbandmitschnitte erfolgen“ werden durch die Worte „sind Tonbandmitschnitte der Sitzungen vorzunehmen“ ersetzt.

Normalerweise sind solche Anträge für den eher Außenstehenden gähnend langweilig, aber hier steht eine eigentlich unglaubliche Geschichte dahinter:

Bürgermeisterin Kempen hatte zur letzten Ratssitzung ein Sitzungsprotokoll vorgelegt, das in wichtigen Teilen fehlerhaft war. Eine solche Niederschrift ist, wenn sie vom Rat angenommen wird, ein Dokument mit Beweiskraft. Kempen stellte sich auf den Standpunkt, ein einmal geschriebenes Protokoll könne nicht zurück genommen werden. Basta! Eine Einigung war nicht möglich, weil sie von Kempen ganz offensichtlich nicht gewollt war. Die Ratsmitglieder sahen schließlich keine andere Möglichkeit mehr, als den Ratssaal zu verlassen.

Was von außen wie eine lächerliche Sandkastenrauferei aussieht, ist leider viel ernster: Dies war nicht das erste Mal, dass Kempen Fehler in der Protokollführung macht. Da sind die Ratsleute natürlich alarmiert, wenn Kempen dann auch noch die Tonbandmitschnitte einstellen lässt. (Natürlich hat sie den Rat nicht informiert.) Diese Mitschnitte sind seit vielen Jahren nicht nur in Meckenheim üblich und bewährt. Bei -vor Kempens Amtszeit sehr seltenen- Meinungsverschiedenheiten über das Protokoll wurde einfach das Band abgehört und die Sache geklärt. Wurde die Niederschrift anerkannt, konnte das Tonband überspielt werden.

Bei der derzeitigen Art ihrer Amtsführung liegt die Befürchtung nahe, Kempen wolle über Manipulationen am Protokoll Sitzungsergebnisse zu ihren Gunsten fälschen. Eine solche Befürchtung würde hier nicht stehen, wenn Kempen in der Vergangenheit dem Rat und der Öffentlichkeit nicht immer wieder falsche Informationen gegeben hätte.

Nachtrag vom 24.09.07: Der Antrag konnte in der Ratssitzung nicht behandelt werden: Frau Dr. Kempen lies die Sitzung platzen, weil sie Punkte auf die Tagesordnung setzen lies, die man eher in China oder Weißrussland für möglich gehalten hätte. (s. Bericht)

Offene Arbeit im Jugendzentrum: Geschlossen!

Am 24. August informierte Bürgermeisterin Kempen, dass sie die offene Arbeit im Jugendzentrum „vorläufig“ geschlossen habe. Die dort tätigen Mitarbeiter seien in andere Bereiche versetzt worden.

Zur Klarstellung: Die Entscheidung ist eindeutig rechtswidrig. Die Bürgermeisterin führt in eigener Verantwortung die „laufenden Geschäfte“ der Verwaltung. Die Schließung eines Jugendzentrums gehört sicher nicht dazu. Der zuständige Jugendhilfeausschuss wurde nicht informiert und schon gar nicht gehört. Kempen führt auch keine Gründe an, die ein sofortiges Handeln notwendig gemacht hätten.

So, wie die Sache aussieht, lässt sich die Schließung kaum rückgängig machen. Versuchen werden wir es trotzdem: Es kann doch wohl nicht sein, dass etliche Leute in der Jugendhilfe und im dazugehörenden Ausschuss Angebote für Kinder und Jugendliche erarbeiten und abwägen und dann die Bürgermeisterin das Personal des Jugendzentrums einfach anders einsetzt.

Kleine Bauanleitung: So bastele ich mir eine Diktatur.

Vorsicht! Satire! (Leider nah an der Wirklichkeit.)

Es ist ziemlich schwierig, Diktator eines Staates zu werden. Fangen Sie besser überschaubar an: Werden Sie Bürgermeister einer kleinen Stadt!
Vorbereitung:
Treten Sie in eine große Partei ein. Suchen Sie sich ein wichtiges Partei­mit­glied, das Sie fördert. Sagen Sie nie, woran Sie gerade basteln. Machen Sie sich immer wieder klar, dass Sie Großes vorhaben. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Die Wichtigkeit Ihres Vorhabens rechtfertigt Opfer bei den anderen.
1. Bauphase:
Suchen Sie eine Stadt, in der Ihre Partei die Mehrheit hat. Kandidieren Sie dort. Seien Sie dynamisch. Achten Sie auf Ihr Äußeres. Üben Sie Ihr Lächeln. Zeigen Sie Ihrem jeweiligen Gesprächspartner, dass sie beide wichtig sind. Gemeinsam werden Sie das Städtchen erneuern. Vertrauen Sie niemanden!
2. Bauphase:
Nachdem Sie Bürgermeister geworden sind, eröffnen Sie Bürgerprojektgruppen. Das ist medienwirksam, alle werden Sie lieben. Egal, wenn die Gruppen ergebnis­los bleiben: Die Presse berichtet über den Beginn einer Gruppe, nicht über das trau­rige Ende. Projektgruppen und auch Mottojahre sind gut für Sie: Alle freuen sich über Ihre Bürgernähe, die Arbeit machen andere, Sie ernten eventuelle Früchte. Merke: Diktator wird man nur, wenn man sich bei den Bürgern beliebt macht und die politischen Strukturen schwächt. Zeigen Sie den Bürgern, dass so eine Projekt­gruppe mehr für die Stadt tut als ein städtischer Ausschuss. Das ist zwar nicht vergleichbar, aber das merkt ja keiner.
3. Bauphase:
Schauen Sie sich Ihre Mitarbeiter genau an. Stellen Sie klarer als klar, dass Sie das Sagen haben. Ideen anderer dulden Sie nur, wenn Sie sie als Ihre eigenen verkaufen können. Kompetente (=gefährliche!) Mitarbeiter werden sich bald einen anderen Job suchen. Versetzen Sie Mitarbeiter, die unzuverlässig sein könnten. Versetzen Sie sie nochmal. Schlecht eingearbeitet, machen sie irgendwann grobe Fehler. Dann haben Sie sie in der Hand.
4. Bauphase:
Legen Sie Ratsausschüsse so zusam­men, dass die Damen und Herren Freizeitpolitiker möglichst wenig Kompetenz einbringen. Fehlende Kontrolle macht es Ihnen leichter, Ihr großes Ziel zu verwirklichen.
Das hat nicht geklappt? Dann heulen Sie bei Presse und Fernsehen: “Der Rat verbietet mir das Sparen!” Das kommt gut an. Rechnen Sie großzügig, kein normaler Bürger prüft das nach. Denen ist eh klar, dass Parteien das Geld aus dem Fenster schmeißen.
5. Bauphase:
Geben Sie nur noch die Informationen, die Ihnen nützen. Lästige Anfragen ignorieren Sie. Seien Sie kreativ in der Auslegung von Geschäfts­ordnungen. So enden die Sitzungen zuneh­mend im Chaos. Schuld sind natürlich die kleinlichen Damen und Herren im Rat. Ziehen Sie die Schrauben langsam an, alle mit dem Ziel, den Rat handlungsunfähig zu machen. Sie werden erstaunt sein, wie viele Rechts­brüche Sie sich ungestraft leisten können.
6. Bauphase:
Der Rat wehrt sich? Landrat, Regierungspräsident, Minister fallen Ihnen in den Rücken? Halten Sie durch, Sie haben es fast geschafft! Sie sind im Recht. Sie sind das Recht! Greifen Sie an! Beschuldigen Sie andere! Stellen Sie Strafanzeigen. Suchen Sie Anschuldigungen, die schwer widerlegbar sind. Denken Sie daran: Wo Rauch ist, muss auch Feuer sein. Sorgen Sie für genügend Rauch, das andere gibt sich. Die Bürger werden es Ihnen danken, dass Sie sich so einsetzen und den politischen Sumpf austrocknen. Sie kämpfen für das Wohl Ihres Städtchens! Die Parteien jaulen auf? Gut! So verschießen die ihr Pulver zu einer Zeit, wo es Ihnen nicht schadet.
7. Bauphase:
Bald kommt die Bürgermeisterwahl. Die müssen Sie noch gewinnen, dann haben Sie’s geschafft. Ihre Partei stellt Sie nach all den Querelen natürlich nicht mehr auf. Das gefährdet Ihre Wiederwahl massiv. Lösung: Treiben Sie es auf die Spitze! Provozieren Sie die Abwahl! Sie haben genügend Bürger hinter sich, und die Parteien haben bei all dem Klein-Klein längst an Ansehen verloren. Da liegt Ihre Chance! Schließlich sitzen Sie im Rathaus. Sammeln Sie rechtzeitig Dossiers über Ihre Gegner. Lancieren Sie Geschichten, die glaubhaft klingen. Die Leute haben die Schnauze voll von all dem Gezänk: Liefern Sie ihnen Schuldige aus. Machen Sie sie zum Gespött der Straße. Stilisieren Sie sich als Retter: Sie haben sich mit dem ganzen Filz angelegt, haben gegen Seilschaften gekämpft und Ihr Städtchen über Wasser gehalten in dieser schweren Zeit. Appellieren Sie an die Wähler: Dieser Erfolg muss gesichert werden!
8. Bauphase:
a) Sie haben es geschafft! Etliche Ratsmitglieder verzichten frustriert auf ihre Ämter, und die Neulinge schaffen Sie doch mit links. Kritische Geister in der Stadtverwaltung suchen spätestens jetzt hastig nach neuen Jobs. Opposition gibt’s nur noch im Karneval. Lachen Sie mit, entspannen Sie sich. Sie sind am Ziel. Es ist schön, Bürgermeister einer Stadt zu sein, die so geschlossen hinter einem steht.
b) Sie sind abgewählt? Uups. Nun ja, verlassen Sie die Stadt mit einem Knalleffekt. Bewerben Sie sich in einer anderen Stadt, wo gerade ein Nachfolger gesucht wird. Verweisen Sie auf Ihr unaufhörliches Engagement gegen politisch-mafiöse Zustände. Das klappt nicht? Dann denken Sie an Ihre nette Bürgermeisterpension und machen eine Politikberatungsfirma auf. Auch andere wollen noch Diktator werden.

Martin Herwartz